Kundengespräch – eine Erinnerung

Wenn ich behaupte “digitaler Autismus” greife um sich, ist das kein medizinischer Befund und auch nicht meine Absicht Menschen nahe zu treten, die sich  im Autismus-Spektrum befinden. Es ist nur eine hilflose Beschreibung dessen, dass eine steigende Anzahl von Mitmenschen  sehr reduzierte Auffassungen von “sozialer Interaktion” hat. Für sie scheint  schon whatsapp eine hohe Kommunikationsstufe darzustellen.

Stephanie-Hofschlaeger_pixelio.de

 

Ich schätze, ja liebe unseren Beruf des Handelsagenten nicht zuletzt deshalb, weil er mir Jahrzehnte Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen verschiedener Nationalitäten, mit den erstaunlichsten Fähigkeiten, Lebensformen und Anschauungen ermöglichte. Und zwar persönlich – von Angesicht zu Angesicht. Da ist lebenslange Freundschaft aber auch Gegnerschaft entstanden, was ich mit meinem vielleicht paradox wirkenden Ausdruck der “geistigen Körperwärme” umschreiben will.

Zum Berufsbild gehörte es, sich von Mensch zu Mensch auszutauschen und für uns ältere Semester ist das wahrscheinlich noch heute so. Z.B. eine beschwerliche Anreise und unbequeme Übernachtung auf sich zu nehmen, um am nächsten Morgen bei einer Tasse Kaffee  mit Geschäftspartnern die Aspekte  eines gemeinsamen Projekts Aug in Aug zu besprechen.

Weil das heute über weite Strecken als überholt gilt, entfällt auch der Handschlag, der damals das Geschäft besiegelte. Deshalb braucht es auch die sogar in der Politik beschworene Handschlagsqualität nicht mehr.

Ich bin dennoch ein hoffnungsloser Optimist und so will ich mir nicht vorstellen, dass es im Jahr 2300 in den gebräuchlichen Geschichtslehrmitteln heißen wird: Das 21. Jahrhundert brachte eine entscheidende Wende in der Entwicklung der Menschen. Sie hörten  auf miteinander zu reden.

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Ein Gedanke zu „Kundengespräch – eine Erinnerung

  1. Lieber Walter,

    da spricht du mir aus der Seele!

    Für mich hält sich die Coolness in Grenzen wenn man komplexe Thematik bespricht und nochmals schriftlich aufbereitet und dann nicht einmal das berühmte: Muh oder Mäh als Reaktion erntet. Da freut man sich ab und an über ein karges OK ohne nachhaken zu müssen. Ich denke neben dem Anhalten der Kinder zum lustvollen Lesen sollte man im Rahmen eines Deutsch und/oder kommenden Ethik Unterrichtes das Debattieren als freudige Pflichtübung auf den Lehrplan bringen. Diskutieren über Gott und die Welt. Auch dazu eingeteilt werden eine konträre Meinung zu vertreten und das alles im respektvollen Miteinander wird uns zwischenmenschlich weiterbringen im Sinne deines schönen Bildes von der “geistigen Körperwärme”. Die Stärkung des Zusammenhaltes in der Schule unter den Kindern und späteren Leistungsträgern wäre wohl ein hoch willkommener Nebeneffekt. Es würde mit Sicherheit dem positiven öffentlichen Diskurs und der Gesprächskultur sehr dienlich sein!

    Liebe Grüße

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