Archiv für den Monat: Juni 2020

innenstadt wien

Autofrei – mit oder ohne Autos?

Riskante Spielchen mit der Zukunft der Innenstadt

Die Leser älteren Semesters werden sich an den Fußballtormann erinnern, der einen harmlosen Roller mit einem spektakulären Hechtsprung “bändigte”. Die Zuschauergalerie war ihrem Walter Zeman dankbar und jubelte ausgelassen.

Leider ist die Methode sich für die eigene Galerie zu schmeißen heute vom grünen Rasen in die Politik übersiedelt. Jüngstes Beispiel ist die “autofreie Innenstadt”. Oder soll man wirklich glauben, dass diese großspurige Ansage dazu führt, dass kein Auto in den Bereich des Innenbezirks eindringen wird und die Gemeinde Wien die Besitzer der dann rd. 20 absolut wertlos gewordenen Parkhäuser entschädigen wird? Und was würde sie dann damit tun? Atomschutzbunker oder Fahrradabstellplätze wären eine Idee. Allein die mit viel Tamtam angekündigte Garage unter dem Neuen Markt würde einer 5-stelligen Anzahl der geliebten Tretfahrzeuge Platz bieten.

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Werden sich Lieferanten, Installateure, Wartungs- und Reinigungsfirmen, Serviceunternehmen aller Art oder Handelsagenten der ehemals gebräuchlichen Eselskarren bedienen, nur damit auf den zum Fahrzeugverkehr gebauten Straßen kein Motorengeräusch zu hören ist?

Ist es der Versuch jenen, die sich jeweils um Millionen in 1010 Wien angesiedelt haben, warme Eislutscher anzubieten, nämlich vom Lärm unbehelligt im Zentrum einer Großstadt zu wohnen, womöglich mit einem Parkplatz vor der Türe?

Wir müssen froh sein, wenn nach der COVID-Attacke, die ja noch nicht vorbei ist, auch die rund 1500 im 1. Bezirk ansässigen Unternehmen die Kraft haben ihr Überleben zu sichern.

Die Situation ist ernst und da ist es keine glänzende Idee mögliche Käufer, nur weil sie mit dem Auto anreisen wollen, aus dem Zentrum zu vertreiben.

Wie die Wiener Wirtschaftskammer hat sich auch der Bürgermeister für eine  s i n n v o l l e Verkehrsberuhigung ausgesprochen. Wollen wir doch hoffen, dass er sich durchsetzt. Wenn nicht, bleibt uns nichts anderes übrig, als alle rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz und der Unterstützung unserer Mitglieder auszuschöpfen.

Feedback und Kommentare sind herzlichst willkommen!

 

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krammer

Wien hat dringenden Konzeptbedarf

Albert Einstein hat einmal von der Perfektion der Mittel gesprochen, der die Konfusion der Ziele gegenüber steht. Seit 40 Jahren bin ich Kammerfunktionär in Wien und musste nie den Vorwurf einstecken aus eigensüchtig-politischen Motiven gehandelt zu haben.  Daher fühle ich mich zu nachstehender Kritik berechtigt. Was sich zurzeit rund um die Verkehrsproblematik in der Wiener Innenstadt abspielt, spottet jeder Beschreibung.

Es beginnt mit der Ankündigung einer “autofreien Innenstadt”, die allerdings wegen Beibehaltung von über 20 Ausnahmen und der Zusicherung an die Bewohner in Zukunft sozusagen die Alleinbenützer “ihres” Straßenraums zu werden, die Züge Trump’scher Übertreibungskomik annimmt.

Der Zeitpunkt die Unternehmer in 1010 in Angst und Schrecken zu versetzen, hätte unmittelbar nach 2 Monaten Lock down nicht wirkungsvoller gewählt werden können. Auch die Genialität eine Tiefgarage als obsolet dastehen zu lassen, die sich schon in der 2. Bauphase befindet, muss man erst einmal haben.

Hauptdarsteller sind ein völlig auf seine Wählergemeinde fokussierter Bezirksvorsteher (alle anderen Benützer des Raums innerhalb des Rings werden quasi ausgeblendet) und eine Stadträtin, der es hauptsächlich darum zu gehen scheint, dass noch vor dem Oktober möglichst viele Tafeln  und Bodenmarkierungen affichiert werden, um die eigene Klientel zu begeistern und Aktivität zu suggerieren.

Der Herr Bürgermeister vermisst nachdrücklich ein fundiertes Konzept . Das tun wir auch. Aber er gehört zu den wenigen Menschen, die diesem absurden Treiben tatsächlich ein Ende setzen kann.

Eine gut organisierte Stadt braucht ein funktionierendes Zusammenwirken der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, der denkbaren Mobilitäts- und Logistikmittel, der Wirtschaftstreibenden und ihrer Mitarbeiter, in Wien besonders auch des Kulturbetriebs  und natürlich einer kompetenten Stadtverwaltung (um nur die wichtigsten Komponenten zu nennen). Besonders gilt das selbstverständlich für das Zentrum.

Ich gehe davon aus, dass es  zumindest 2 Jahre Vorbereitung braucht, wenn man ein Stadtgebiet von Größe und Bedeutung der Wiener Innenstadt in Bezug auf Verkehr und alle nachgelagerten Problemfelder umorganisieren möchte. Mit  beinhaltet ein faktenbasiertes Konzept mit allen Details. Am Steuer endlich kompetente Leute und dann ein verantwortungsvolles  und zukunftsweisendes Handeln.
Uns allen liegt Wien am Herzen.

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