Archiv der Kategorie: Kultur

Ist das die Wende in der Bildungsdiskussion?

Die App eines 18jährigen schlägt ein wie ein Bombe. Sie ist kein Heilmittel und schon gar kein Allheilmittel. Aber der Vorgang zeigt den Wunsch nach einer zivilgesellschaftlichen Mitwirkung an der Lösung eines schwelenden Problems, das mit aller Härte die Jugend und deren Zukunft betrifft. Wird dieses nicht beseitigt, sind die sozialen und nationalökonomischen Folgen wie z.B der daraus resultierende Fachkräftemangel  unabsehbar.

Die Wirtschaft braucht gut ausgebildete Menschen. Hier sind auch die Sozialpartner aufgefordert sich  bedingungslos zu engagieren, mit Augenmaß für das Ganze.  Dass sich Betroffene an den Lehrern (auch an den guten) pauschal abreagieren, ist vielleicht menschlich begreifbar, aber völlig sinnlos, solange  das ganze System krankt.

Wenn Ausbildung nicht zur Lebensbewältigung führt, ist sie nutzlos und Chancendiebstahl an den Jungen.                                                                                            Persönlich kenne ich niemand, der  nicht sofort anspringt wie ein Rennwagen, wenn man ein Gespräch unter Freunden und Bekannten auf Schule und Bildung lenkt. Beim Vergleich des österreichischen Bildungswesens  mit jenem im  gut entwickelten Ausland schneiden wir je nachdem, was und wie verglichen wird,  gar nicht schlecht ab. Aber es ist schwer erträglich, dass angeblich 25% der Pflichtschulabgänger die Kulturbasics Lesen, Schreiben und Rechnen nicht beherrschen.                                                                                                                  Für die Mitglieder dieser Gruppe ist das schlichtweg ein Desaster. Die Hinnahme  eines derart katastrophalen Missstands verbannt  Menschenleben ins gesellschaftliche und ökonomische Kellergeschoss und beraubt das Land wertvoller Ressourcen.

Das Jammern und die Unzufriedenheit über die Defizite in der Ausbildung unserer Kinder währt Jahrzehnte.                                                                                                                                  Akademische und nichtakademische Fachleute, Politiker, Lehrergewerkschafter, Psychologen und Ideologen, Pädagogen und Soziologen, Journalisten und Analysten, Streetworker, Historiker und Zukunftsforscher , alle, alle, alle haben schon ihre Expertise angeboten oder sich sonstwie eingemischt. Delegationen sind in der Welt herumgereist, die Zahl der Schulversuche, welche schier unbegrenzt lang gewirkt bzw. nicht gewirkt haben, geht ans Unüberschaubare. Insider wieder fühlen sich zu Unrecht kritisiert, weil doch einiges besser geworden sei und man die stets schwieriger werdenden Umstände berücksichtigen müsse. Das alles, obwohl wir pro Kopf für Bildung mehr Geld ausgeben als die meisten anderen Länder.

Die Geduld der Österreicher ist offenbar ausgeschöpft und jetzt hat einer den Mumm den Hebel an einer ihm wichtig scheinenden Ecke anzusetzen.                                                     Zuverlässige und wirkungsfähige, gute Schulen sind eine öffentliche Aufgabe, die von Politik und Verwaltung vorrangig zu erfüllen ist. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass Schule nicht der Problemlöser für alles und jedes ist. Die Hasspostings gegen den App-Erfinder zeigen jedoch die Angst des Systems vor der Kraft der Öffentlichkeit.

 

 

 

Share

Unsere Erinnerung an Prof. Gustav Peichl

 

Ehre und Vergnügen war es für das Gremium der Handelsagenten Prof. Gustav Peichl anlässlich der Auftaktveranstaltung 2011 auf dem “Nudelbrett” der improvisierten Bühne im damals noch existierenden MODUL als Gast begrüßen zu können.Heute ging die Nachricht über sein Ableben im 91. Lebensjahr durch die Medien.

Eine Würdigung des Phänomens Peichl steht uns nicht  zu. Da gibt es zweifellos Berufene. Wir können nur die Erinnerung an den Abend hervorholen. Es war nicht selbstverständlich, dass er sich diesen Auftritt antun wollte.


Aber es war zu erkennen, dass er keine Scheu vor Menschen hatte und sich (wie das oben stehende Bild zeigt) dessen bewusst war, dass er etwas zu sagen und seine Meinung Gewicht hatte. Seine auch an diesem Abend manchmal durchbrechende, aber keineswegs bösartige Grantelei  ließ erahnen, dass er  für sein ständiges Umfeld – sagen wir – eine Herausforderung sein konnte. Das dankbare Publikum ergötzte sich an seiner unverblümten Geradlinigkeit  sowohl in politischer Hinsicht wie daran, dass er mich (als seinen Bühnenpartner)  mit einem wütend gefauchten “Aber das ist doch Blödsinn” platt machte, weil ich unterstellt hatte, er würde nur seine eigenen Hochhäuser mit Wohlwollen tolerieren. Zum bejubelten Abschluss gab’s für ihn rote Rosen, die er vorerst skeptisch betrachtete und dann knurrte “die geb’  ich meiner Frau”.

Für viele Menschen baute Peichl Häuser, Generationen übermittelte er liebevoll ziselierte Nachrichten mit seiner spitzen Feder, allen Anwesenden schenkte er die Einmaligkeit dieser Begegnung mit einem unverwechselbaren  österreichischen Kulturträger.

Möge er in Frieden ruhen!

 

 

 

Share